Methoden der Spermienaufbereitung und Samengewinnung
Verfahren zur Aufbereitung und gezielten Selektion von Samenzellen stellen einen entscheidenden Schritt bei intrauterinen Inseminationen (IUI) sowie der In-vitro-Fertilisation (IVF/ICSI) dar. Ziel dieser labortechnischen Methoden ist es, vitale, progressiv bewegliche und morphologisch intakte Spermien vom Seminalplasma, unbeweglichen Zellen, Bakterien und oxidativen Rückständen zu isolieren.
Je nach Befund des Spermiogramms und Behandlungsplan kommen folgende Methoden zum Einsatz:
1. Aufbereitung für die intrauterine Insemination (IUI)
Vor der Samenübertragung wird das Ejakulat von Begleitstoffen gereinigt, die Gebärmutterkrämpfe auslösen könnten. Die vitalsten Samenzellen werden in einem geringen Trägervolumen angereichert, um direkt in die Gebärmutterhöhle appliziert zu werden.
2. Swim-Up-Verfahren (Aufschwimmmethode)
Bei dieser Methode wird das Sperma mit einem Nährmedium überschichtet. Aktive, vorwärtsbewegliche Samenzellen schwimmen eigenständig aus dem Zellsediment in die darüber liegende Nährlösung auf. Diese vitalen Zellen werden im oberen Bereich abgeschöpft und für die Befruchtung verwendet.
3. Dichtegradientenzentrifugation
Dieses physikalische Trennverfahren nutzt Schichten unterschiedlicher Dichte. Reife Samenzellen mit fehlerfreier Morphologie weisen eine höhere Eigendichte auf und wandern während des Zentrifugierens an den Boden des Röhrchens, während unreife, deformierte oder unbewegliche Zellen in den oberen Gradientenschichten zurückbleiben.
4. Mikrochip-Technologie (Mikrofluidik)
Mikrofluidik-Chips simulieren die natürlichen Passagewege im weiblichen Genitaltrakt. Da bei diesem Verfahren auf zentrifugale Kräfte verzichtet wird, werden Samenzellen mit minimaler DNA-Fragmentation und intakter Zellmembran besonders schonend isoliert.
Liegt eine Azoospermie (keine Spermien im Ejakulat) vor, können Samenzellen operativ gewonnen werden:
TESA: Gewinnung mittels feiner Nadelaspiration direkt aus dem Hodengewebe.
MESA: Mikrochirurgische Aspiration vitaler Spermien aus den Nebenhodengängen.
Mikro-TESE: Präzise Gewebeentnahme unter einem Operationsmikroskop zur Auffindung aktiver Samenkanälchen.
6. PICSI (Physiologische ICSI)
Das PICSI-Verfahren prüft die Bindungsfähigkeit der Spermien an Hyaluronsäure, einem Hauptbestandteil der natürlichen Hülle der Eizelle. Ausschließlich biologisch ausgereifte Spermien mit hoher DNA-Qualität binden an den beschichteten Kulturschalen und können gezielt für die Mikroinjektion ausgewählt werden.