Die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), im allgemeinen Sprachgebrauch häufig als Mikroinjektion bezeichnet, ist ein hochentwickeltes laborchemisches Verfahren im Rahmen der künstlichen Befruchtung (IVF). Sie gilt weltweit als Goldstandard zur Überwindung ausgeprägter Zeugungsstörungen des Mannes.
Während bei der konventionellen IVF Eizelle und Samenzellen in einer Nährlösung zusammengeführt werden und das Spermium eigenständig die Eihülle durchdringen muss, wird bei der ICSI eine einzelne vitale Samenzelle unter mikroskopischer Kontrolle direkt in das Zellinnere (Zytoplasma) der reifen Eizelle injiziert.
Die Schritte des ICSI-Verfahrens
Die Behandlung gliedert sich in folgende aufeinanderfolgende Phasen:
Eizellgewinnung (Punktion): Nach kontrollierter hormoneller Follikelstimulation werden die reifen Eizellen ultraschallgestützt aus den Eierstöcken entnommen.
Spermienpräparation: Die Samenprobe wird gewaschen und zentrifugiert, um gezielt die morphologisch unauffälligsten und beweglichsten Samenzellen zu isolieren.
Die Mikroinjektion: Unter einem hochauflösenden Mikromanipulator wird die Eizelle fixiert. Eine mikrofeine Glaskanüle punktiert vorsichtig die Zellmembran und platziert das ausgewählte Spermium direkt im Inneren.
Befruchtungskontrolle und Embryonenkultur: Die injizierten Eizellen reifen in modernen Brutschränken heran. Nach rund 16 bis 18 Stunden wird das Vorliegen von zwei Vorkernen (Pronuclei) als Nachweis einer erfolgreichen Befruchtung dokumentiert und die weitere Zellteilung begleitet.
Wichtigste Indikationen
Erhebliche Einschränkungen der Spermienqualität (zu geringe Anzahl, verminderte Beweglichkeit oder Fehlformen)
Zustand nach operativer Samengewinnung aus dem Hodengewebe (TESE / MESA)
Ausbleiben einer Befruchtung bei vorangegangenen Standard-IVF-Zyklen
Begrenzte Eizellanzahl zur Maximierung der Befruchtungswahrscheinlichkeit